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Neustart für SR Technics

Das Wartungsunternehmen SR Technics hat den Fall der Muttergesellschaft SAirGroup überlebt. Jetzt wird es von Kaufinteressenten umworben.

Noch mag SR Technics- CEO Hans Ulrich Beyeler keine Namen nennen. Aber dass er mit mehreren Investoren verhandelt, bestätigte er kürzlich gegenüber Schweizer Aviatikjournalisten: "Die Interessenten reichen vom Konkurrenten bis zum reinen Finanzinvestor." Eine Übernahme zwecks Schliessung und Marktbereinigung schliesst Beyeler aus.
Weshalb braucht SR Technics überhaupt Geldgeber?. "Wegen unseres intensiven Bedarfs an Kapital und dessen schwieriger Beschaffung kommt ein Alleingang nicht in Frage", antwortet Beyeler. Er will den bestmöglichen Investor auswählen, nicht jenen, der den höchsten Preis zahlt - "obwohl der Konkursverwalter der SAirGroup dies anstrebt".
"Wir haben den Zusammenbruch der Gruppe überstanden und - ausser der bankrott gegangenen Canada 3000 - keinen einzigen Kunden verloren", sagt Beyeler stolz. Überlebt habe SR Technics dank des über fünf Jahre aufgebauten Geschäft für Drittkunden, das 2001 gut 60% der Einnahmen brachte, dank der frühzeitigen Anpassung an die Änderungen bei Swissair und dank eines Überbrückungskredits von 100 Mio. CHF vom Flughafen Zürich (60%) und mehreren Banken. "Wir hatten ein Liquiditätsproblem, als SR Technics ihres Anteils am Cash-Pool der SAirGroup beraubt wurde", gesteht Beyeler ein.
Sein Unternehmen erzielte 2001 rund 1,350 Mrd. CHF Umsatz (2000: 1,427 Mrd.), davon 39% mit Swissair. 45 Umsatzprozente entfielen auf die Triebwerkswartung (Pratt & Whitney), 29% auf den Flugzeugunterhalt und der Rest auf den Verkauf von Bestandteilen.Der Betriebsgewinn 2001 soll höher als die 74 Mio. CHF des Vorjahres ausfallen, trotz der Altlasten aus dem Geschäft mit der konkursiten Swissair.
Sie bestehen primär aus Einkäufen für die (nun gestrichenen) Airbus A340-600 und ihre Rolls-Royce Trent-Triebwerke. Zwei Musterturbinen hat SR Technics zurückgeben und so die Altlasten von 140 Mio. CHF auf 90 Mio. reduziert.
Redimensionierung mit Swiss
SR Technics' Hauptkunde heisst ab April 2002 nicht mehr Swissair sondern Swiss. Ihre Flotte schrumpft von 41 Kurz- und 35 Langstreckenmaschinen auf je 26 Flugzeuge pro Klasse. SR Technics baut daher ihre Arbeitsplätze um 800 auf 2800 ab; aktuell sind es 3170. "SR Technics und Swiss bilden eine symbiotische Gemeinschaft. Wir stellen die Lufttüchtigkeit der Swiss-Maschinen sicher. Das bringt uns jene Basis-Auslastung, aufgrund der wir unser Drittgeschäft weiter ausbauen können", erläutert Beyeler. Die Umbemalung der Swiss-Maschinen beschäftige SR Technics kurzfristig voll, aber im Sommer habe er noch Kapazitäten frei.
Gut ausgelastet bleibt der Sektor Triebwerke. Die PW-4000-Turbinen von Pratt & Whitney haben elf Jahre nach Einführung der MD-11 noch immer technische Probleme (Compressor Stall) und verkürzte Wartungsintervalle. Da Swiss 13 MD-11 behält, bleibt SR Technics dieser Auftrag erhalten. Sie rüstet diese Maschinen zudem mit neuen, feuerfesteren Isoliermatten und zusätzlichen Rauchmeldern mit Videokameras aus. Das "Modi plus" genannte Programm "wiegt" pro Flugzeug knapp 2 Mio. CHF und 150 kg. Beyeler bietet es - bisher vergeblich - auch anderen Carriern an.
Sein Joint-venture mit Boeing in Palmdale CA fällt der Restrukturierung zum Opfer. Der Umbau von DC-10 zu MD-10-Frachtern - mit 25 Festaufträgen und über 25 Optionen einst als grösstes ziviles Umbauprogramm gepriesen - wird nach der Konvertierung der fünften Maschine eingestellt. Der Grund, laut Beyeler: "Heute sind gebrauchte Airbus A300 und A310 mit originalem Zweimanncockpit fast gratis zu haben."

Rolf D. Sulser

www.srtechnics.com

(Erschienen in Internationale Transport Zeitschrift, No. 12/2002)

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75 Jahre Lufthansa

Von Rolf D. Sulser

Die Deutsche Lufthansa blickt in diesen Tagen auf 75 Jahre ihres Bestehens zurück. Eine lange Reihe aviatischer Pionierleistungen kennzeichnen ihren Weg.

Als die Deutsche Luft Hansa im Januar 1926 gegründet und ins Handelsregister eingetragen wurde, war sie schon neuneinhalb Jahre alt, denn sie entstand aus der Fusion des Deutschen Aero Lloyd und von Junkers Luftverkehr. Ersterer führte seine Herkunft auf die Deutsche Luft-Reederei zurück, auf die Ende 1917 vom Elektrokonzern AEG gegründete Keimzelle der Zivilluftfahrt in Deutschland. Letztere wurde im Sommer 1924 von Hugo Junkers initiiert, dem Schöpfer des Ganzmetallflugzeuges.
Aus der (Finanz-)Not geboren
Die Finanznot der ersten Deutschen Republik stand hinter der Fusion zu Luft Hansa, denn beide Fluggesellschaften hatten sich bisher erbittert konkurrenziert und beide waren vom Staat massiv subventioniert worden. Die Regierung wollte so die von den Bauverboten des Versailler Vertrages gefährdeten deutschen Flugzeughersteller am Leben zu erhalten. Ein zu teures Verfahren, das genauso nach einer Bereinigung verlangte wie die Flotte der jungen Luft Hansa. Sie bestand aus 168 Maschinen 19 verschiedener Typen, die von 449 Motoren 17 unterschiedlicher Ausführungen angetrieben wurden.
Kompliziert war auch die Struktur der mit 25 Mio. Reichsmark kapitalisierten Gesellschaft: 26% der Aktien hielt das Reich, 19% die Länder, 27,5% regionale Körperschaften und 27,5% die Privatwirtschaft. Ein fein austariertes Gleichgewicht der Interessen, das sich in einem 60 (!)-köpfigen Aufsichtsrat widerspiegelte. Die Luft Hansa erhielt zwar nicht das Monopol für den Luftverkehr in Deutschland, aber sie wurde als einzige Fluggesellschaft subventioniert und damit zum Flag Carrier.
Erstflug schon international
Der erste Flug der Luft Hansa führte - nach der damals üblichen Winterpause - am 6. April 1926 von Berlin Tempelhof nach Zürich (Dübendorf). Die einmotorige Fokker-Grulich (ein Lizenzbau der F.II) war auf dieser Strecke mit Zwischenlandungen in Halle, Erfurt und Stuttgart mit vier Passagieren voll ausgelastet. Gleiches galt für den Rückflug am folgenden Tag, für den Luft Hansa sogar zwei Fluggäste zurückweisen musste. Im Gründungsjahr beförderte der Carrier 37 605 Passagiere, 248 t Fracht und 188 t Post.
Die 20er und 30er Jahre gelten als Pionierzeit des kommerziellen Luftverkehrs, in der die Grundlagen geschaffen wurden für die heutigen weltumspannenden Netze. Luft Hansa flog dabei ganz vorne mit: Schon 1926 eröffnete sie die erste Nachtflugstrecke zwischen Berlin und Königsberg. Das Flugzeug folgte dabei einer "Lichterstrasse" aus Drehscheinwerfern, die im Abstand von 25 bis 30 km voneinander aufgestellt wurden.
Pionierflüge für die Post
Schon damals sollte Post und Fracht möglichst über Nacht befördert werden, weshalb Luft Hansa besondere Nachtflüge auf den Strecken Berlin-Hannover-Essen-Köln-London und Köln-Paris einrichtete. Zwischen 1926 und 1928 legten ihre Maschinen fast 500 000 Nachtflug-Kilometer zurück; 1928 hatte das Nachtpost- und -Frachtnetz bereits eine Länge von über 6000 km. Organisator dieses Nachtflugbetriebs war Hermann Köhl, der im gleichen Jahr zusammen mit Baron von Hünefeld und James Fitzmaurice als erster den Atlantik von Ost nach West überflog.
Wie heute, so zeigte schon damals das Cargo-Geschäft mit 40% Anstieg bei der Fracht und 16% bei der Post stärkere Zuwachsraten als die Passage mit 8%. Zusamen mit der Reichsbahn bot Luft Hansa ihren Luftfrachtkunden den kombinierten "Fleiverkehr" an, bei dem der Vor- bzw. Nachlauf nach und vom Flughafen per Bahnexpress erfolgte. Wann wohl wird die Dienstleistungsqualität der heutigen Bahnen wieder für den Luftfracht-Zubringerverkehr genügen?
Neben Versuchsflügen nach Peking und Shanghai entwickelte die Airline massgeblich den Postverkehr über den Atlantik. Ab 1929 katapultierten die Schnelldampfer "Bremen" und "Europa" in vier Flugstunden Entfernung vor der amerikanischen bzw. europäischen Küste bordeigene Schwimmerflugzeuge. Diese brachten die Post mit 24 Stunden Zeitersparnis ins Bestimmungsland.
Ab 1934 beförderte die nun "Lufthansa" genannte Gesellschaft auch über den Südatlantik Post. Kernelement dieses Dienstes war die Strecke zwischen Bathurst (Gambia) und Natal (Brasilien), welche die Dornier "Wal" mit Zwischenlandung bewältigten. Diese 10 t schweren Flugboote wasserten jeweils neben einem Versorgungsschiff, wurden aus dem Wasser gehievt, aufgetankt und mittels Katapult auf den Weiterflug geschickt. Zwischen 1935 und 1939 arbeitete Lufthansa auf dieser Südatlantikstrecke mit Air France zusammen, deren Vorgängerin Aéropostale eine Parallelverbindung aufgebaut hatte. Bis zum Kriegsausbruch überquerten Lufthansas Postflugboote 481 Mal den Südatlantik.
Den Schwanengesang der "alten Lufthansa" stellten 1938 die Rekordflüge der viermotorigen Focke-Wulf 200 "Condor" von Berlin nach New York (nonstop in 24 Stunden, 36 Minuten) und Tokio dar. 1939 beflog Lufthansa ein Streckennetz von fast 80 000 km, ihre Postrouten reichten bis Santiago de Chile und Bangkok. Der Zweite Weltkrieg brach diese Entwicklung ab; er endete für Lufthansa mit der alliierten Proklamation No. 2 vom September 1945, welche "Herstellung, Besitz und Betrieb von Flugzeugen durch Deutsche" verbot.
Neustart nach zehn Jahren
Am 6. Januar 1953, genau 27 Jahre nach Entstehen der ersten Lufthansa, wurde in Köln die "Luftag" gegründet. Sie kaufte den Namen der in Liquidation befindlichen Deutschen Lufthansa AG. 1955 nahm die neue Lufthansa mit je vier Convair 340 und Lockheed Super Constellation den Verkehr auf. Englische und amerikanische Besatzung flogen diese Maschinen amerikanischer Bauart zuerst in der Bundesrepublik Deutschland, dann nach den europäischen Nachbarländern und ab 21. August 1955 auch transatlantisch nach New York Idlewild. In ihrem zweiten Gründungsjahr beförderte Lufthansa rund 104 000 Passagiere, 1000 t Fracht und 500 t Post.
Parallel zu "Kölner" Lufthansa gründete der Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) per 1. Mai 1955 ebenfalls eine "Deutsche Lufthansa". Diese flog erstmals am 16. September 1955 - und zwar den DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl zur Unterzeichnung des Staatsvertrages mit der UdSSR nach Moskau. Das Netz der Ostberliner Lufthansa umfasste bald die wichtigsten Städte Osteuropas. Ihre Il-14 sowjetischer Produktion wurden anfangs von russischen Besatzungen gesteuert. Der Streit um die Marke "Lufthansa" endete im September 1963, als die 1958 gegründete Interflug den gesamten DDR-Flugbetrieb übernahm.
Das Jet-Zeitalter
Seit Aeroflot 1956 die Tu-104 und Pan Am 1958 die B707 einsetzte, war das kolbenmotorgetriebene Propellerflugzeug technisch überholt. Unter dem Druck des Wettbewerbs musste auch die neue Lufthansa - kaum fünf Jahre nach Aufnahme des Flugbetriebs - das neue und teure Gerät anschaffen. Es sollte bis 1964 dauern, bis diese Investitionen amortisiert waren und der Carrier schwarze Zahlen schrieb.
Die im Januar 1957 bestellten vier B707 waren als erste ihrer Art mit treibstoffsparenden Rolls-Royce "Conway" Zweikreis-Triebwerken ausgerüstet. Sie kamen ab 1960 auf den Langstrecken über den Nordatlantik und nach Japan zum Einsatz. 1961 wurden die Südamerika- und Mittelostdienste auf die B720 umgestellt. Die Jets verdrängten zusehends die Propellermaschine aus der Flotte: Ab 1964 wurde auf mittleren Strecken die B727, ab 1968 auf Kurzstrecken die B737 eingesetzt. Bei der letzteren, dem mit fast 4000 ausgelieferten Exemplaren erfolgreichsten Ziviljet der Geschichte, war Lufthansa Initiator und Erstkunde zugleich.
Neuer Aufstieg der Fracht
Einige der von den Jets verdrängten Propellermaschinen (Convair 440 und Vickers "Viscount") fanden Beschäftigung im Nachtpostnetz, das Lufthansa seit September 1961 für die Deutsche Post betreibt. Andere flogen Fracht. Lufthansa hatte schon 1957 mit einer geleasten Douglas C-54 (DC-4) einen Frachterdienst nach New York eröffnet, ab 1959 setzte sie dafür Super Constellations ein. 1961 charterte sie Kapazität auf den Canadair CL-44 "Swing-Tail" von Seaboard auf dieser Strecke.
Aber auch im Cargo-Bereich hielt die Düse bald Einzug: Im November 1965 übernahm Lufthansa ihren ersten von später fünf B707-Frachtern, der bald sechsmal wöchentlich zwischen Frankfurt und New York hin- und herflog. Die Maschine nahm westgehend 24 und ostgehend rund 30 t in ULDs ("Iglus") und auf Pallets verpackter Nutzlast mit. Diese Ladeeinheiten senkten die Bodenstandzeiten gegenüber dem früher üblichen Loseverlad ("Bulk") drastisch.
1972 wagte Lufthansa erneut einen Quantensprung: Als erste Fluggesellschaft weltweit setzte sie einen B747-Frachter ein. Die Nutzlast auf der Rennstrecke nach New York betrug nun rund 85 t pro Flug. Fünf Jahre später gründete sie mit German Cargo Services eine separate Frachtcharter-Tochtergesellschaft. Der Weg war damit vorgezeichnet: Anfang 1995 wertete der Carrier seine Frachtdivision zum eigenständigen Unternehmen Lufthansa Cargo AG auf.
Mit dieser Premiere, aber auch mit der Gründung des weltweit erfolgreichsten Airline-Verbundes "Star Alliance" im Mai 1997, hat die inzwischen privatisierte und zum "Aviation Konzern" reorganisierte Lufthansa ihre fortdauernde Innovationskraft bestätigt.

Rolf D. Sulser

Rekordzahlen
Im Jahr 2000 beförderte der Lufthansa-Konzern 47 Mio. Fluggäste (+7,4%). Lufthansa Cargo transportierte knapp 1,802 Mio. t Fracht und Post (+3,2%). Die Gesamtauslastung erreichte 71,8% (+0,7 Punkte), die verkaufte Transportleistung stieg um 8,9%. Der Aviation Konzern konnte seine 7,9% Mehrangebot voll absetzen und dürfte 2000 mit einem Rekordergebnis abschliessen.

(Publiziert in Internationale Transport Zeitschrift No. 11/2001.)

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