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Neue Rollenverteilung

Lokal agieren, global transportieren, zentral optimieren: So liesse sich die neue Arbeitsteilung im Bereich Luftfracht bei Panalpina beschreiben. Lokal agieren die einzelnen Luftfrachtbüros, und global zu transportieren obliegt nun dem Inhouse-Carrier ASB-Air - der früheren SwissGlobalCargo. Zentral optimiert wird das Ganze durch eine neue Konzernorganisation.

Im Prinzip ist es ganz einfach: Der Verlader ist Kunde von Panalpina, und Panalpina ist Kunde von ASB-Air. Das Produkt, das der Kunde erhält, trägt den Namen von Panalpina. Dahinter steht aber zum grossen Teil die Leistung des Inhouse-Carriers ASB-Air.
Im Detail ist alles ein bisschen komplizierter, denn "was wir tun, kommt einer internen Neuausrichtung gleich", sagt Bruno Sidler, Panalpina-Präsident und CEO. "Grundsätzlich geht es um eine neue Rollenverteilung zwischen Panalpina und ASB-Air".

Lokale Stärken global verknüpfen
Remo Eigenmann, Managing Director von ASB-Air, erklärt die Details dieser Rollenverteilung: "Wie bis anhin hat der regionale Panalpina-Manager zwei Ziele, nämlich glückliche Kunden und Gewinne für seine Niederlassung. Der aus diesen Vorgaben erwachsende Unternehmergeist ist genial - ihn müssen wir unbedingt bewahren. Aber der lokale Manager kann Möglichkeiten nicht mit einbeziehen, die ausserhalb seines Einzugsbereichs liegen."
Damit meint Eigenmann das Potential, das sich ergibt, wenn gleichartige Angebote und gleichgerichtete Aufkommen zu Verkehrsströmen gebündelt werden. Wenn Panalpina beispielsweise die Transportmengen mehrerer Grosskunden zusammen mit dem Sammelgut-Aufkommen und ad hoc-Aufträgen an Bord eines "Dixie Jet" von Luxembourg nach Huntsville AL in die USA fliegt.
"Bündelung von Verkehrströmen" lautet also das Stichwort. Dies bringt auf vielen Strecken ein grösseres Aufkommen, das wiederum einen günstigeren Einkauf von Frachtkapazitäten ermöglicht. Durch die Steuerung dieser Verkehrsströme lassen sich vorhandene Kapazitäten effizienter nutzen.
Für solche Strecken und die entsprechenden Abkommen ist künftig ASB-Air zuständig. Sie hat die Gesamtübersicht über alle Verkehrsströme der Gruppe und realisiert deren Kombinationsmöglichkeiten. Sie funktioniert als Inhouse-Carrier von Panalpina und damit als Brücke zwischen Niederlassungen und den Regional Centres Americas, AMEC (Africa, Middle East, CIS, Central Asia), Asia Pacific und Europe.
Mit dieser Aufgabenteilung erhält der regionale Panalpina-Manager mehr Zeit für seine Kunden: Er betreut sie exklusiv und vor Ort. Er bietet ihnen die gesamte breite Luftfracht-Produktepalette des Speditionskonzerns Panalpina an. Hinter dieser Palette stehen zu wesentlichen Teilen die Leistungen des Inhouse-Carriers ASB-Air.
Das regionale Luftfrachtbüro baut also nicht mehr selber für jeden Kunden eine Transportkette zusammen. Anstatt mit Fluggesellschaften individuell den bestmöglichen Deal auszuhandeln und die gesamte Operation zu steuern, konzentriert es sich auf sein Kerngeschäft, nämlich die Kundenbetreuung. Das Fliegen übernimmt der Inhouse-Carrier ASB-Air.
Wird der regionale Manager damit entmachtet und dazu verdonnert, seine Luftfrachtsendungen immer und in jedem Fall ASB-Air zu überlassen? "Aber nein!", wehrt Eigenmann ab. "Wir sprechen hier nur von den grossen Verkehrsströmen."
Bruno Sidler habe schon vor Jahresfrist das Ziel formuliert, dass bis 2004 75% des Panalpina-Luftfrachtaufkommens im time-definite-Modus über den Inhouse-Carrier ASB-Air laufen sollte, erklärt der ASB-Air-Managing Director. "Wenn wir die Struktur dieses Aufkommens betrachten, dann ist diese Aufteilung eigentlich schon vorgespurt. 75% unseres Volumens wird zwischen nur 20 wichtigen Handelsnationen ausgetauscht. Wenn also ASB-Air diese 20 Länder abdeckt, haben wir die Vorgabe bereits erfüllt."
"Unter den verbleibenden 25% mögen sich einzelne Verkehrsströme finden, die der Inhouse-Carrier sinnvollerweise ebenfalls übernimmt", ergänzt er. Der grösste Teil aber umfasse ad hoc-Aufträge und kleinere Aufkommen zwischen Ländern oder Städten, für die nur die regionale Luftfrachtfiliale eine sinnvolle Einzellösung für den Transport kreieren könne.

Nahtlose Übergänge
Entsprechend der skizzierten Arbeitsteilung wird also das lokale Panalpina-Luftfrachtbüro die Transportleistungen von ASB-Air nutzen. Es übergibt seine Sendungen im eigenen Lager "ready for carriage" an ASB-Air. Selber kümmert es sich um die Koordination mit dem Kunden und um den Vorlauf - also den Transport der Ware vom Kunden bis zu diesem Übergabepunkt.
Spiegelbildlich gilt dies auch für die Auslieferung im Bestimmungsland: Der Nachlauf der Sendung von der empfangenden Panalpina-Station bis zum Domizil des Empfängers liegt in der Verantwortung der dortigen Panalpina-Niederlassung.
Diese Schnittpunkte - modern ausgedrückt Interfaces - zwischen lokalem Luftfrachtbüro und ASB-Air werden sich später verschieben. Denn in einer zweiten Phase weitet ASB-Air ihr Angebot aus und schliesst den Weg ab Werk des Verladers bis zum Panalpina-Büro am Abgangsort - also den Vorlauf - darin ein. In einem dritten Schritt schliesslich wird sie den gesamten Transport ab Werk des Absenders bis zur Tür des Empfängers in eigener Verantwortung abdecken.

ASB-Air aufrüsten
So, wie jedes Luftfrachtbüro von Panalpina vor Ort seine Kunden betreut, wird ASB-Air zentral als Verhandlungspartner der Airlines auftreten und die nötigen Luftfrachtkapazitäten einkaufen. Das reicht von der Festbuchung auf einem bestimmten Flug jede Woche über Blocked-Space-Abkommen mit Linienfluggesellschaften bis zum Chartern oder Wetleasen eines kompletten Frachtjumbos.
Um die eingekauften Kapazitäten sinnvoll zu verwalten, benötigt ASB-Air ein Kapazitäts- und Ertragsmanagement-System. "ASB-Air ist Panalpinas Inhouse-Carrier, und als Carrier braucht er solche Systeme", unterstreicht Eigenmann.
Diese sind heute auf dem freien Markt erhältlich. Als Anbieter treten Airlines, Softwareunternehmen oder ihre verschiedenen Gemeinschaftsunternehmen auf. Zweck der Systeme ist es, vorhandene - auch eingekaufte - Kapazitäten optimal zu vermarkten. Optimal bedeutet hier, das jedes Service Level den bestmöglichen Ertrag erzielt.
Auch bezüglich dieser Service Levels ist bereits ein Entscheid gefallen: ASB-Air wird ihrem Kunden Panalpina drei unterschiedlich schnelle Produkte anbieten, nämlich erstens "schnellstmöglich", zweitens ein dem heutigen Consol vergleichbares Angebot und drittens ein Produkt für günstigere Sendungen.
"Wir machen hier mit der schweren Luftfracht einen weiteren Schritt in jene zeitdefinierte Welt, die die Integrators für ihre Paket- und Dokumentensendungen etabliert haben", erläutert Jürg Koch, der bei ASB-Air in leitender Funktion am time-definite-Projekt beteiligt ist. Er nimmt damit das von Bruno Sidler angeschnittene Thema der time-definite-Modi auf mit dem Hinweis, dass die Integrators in immer schwerere Sendungsklassen expandieren - dass also ein Handlungsbedarf besteht.
Die drei genannten Geschwindigkeiten werden primär auf den Panalpina-Rennstrecken implementiert. "Dort kann Panalpina unter den drei Service Levels von ASB-Air auswählen", erläutert Koch. "75% des Gesamtvolumens werden sich in dieser time-definite-Welt abspielen. Den Rest bilden - wie schon heute - auf den Kunden zugeschnittene Individuallösungen "

Qualität auch auf Flughöhe Null
Dieses auf drei Ebenen zeitdefinierte Modell braucht auch eine gute Flächendeckung in Form leistungsfähiger Lkw-Verbindungen von und nach jenen Flughäfen, an denen der Lufttransport beginnt und endet. An diesem Ground Network arbeitet ASB-Air derzeit intensiv. Es verbindet Hubs mit Sub-Hubs. Erstere sind an den Anfangs- oder Endpunkten des Lufttransports angesiedelt, also an Flughäfen wie Luxembourg, Paris, Frankfurt oder beispielsweise in Huntsville und Miami. Als Sub-Hubs eignen sich Plätze mit natürlichem, also aus dem lokalen Umfeld stammendem Güteraufkommen.
Remo Eigenmann nennt als Beispiel dafür Lyon (Frankreich). "Hier haben wir tägliche Verbindungen mit Barcelona, unserem Sammelpunkt für Spanien, aber auch mit Marseille, Toulouse, Mailand und Genf. In Lyon füttern wir die Sendungen in unsere Pipeline, d.h. die mehrmals täglich nach Luxembourg verkehrenden Linien-Lkws."
Für all diese Transporte setzt ASB-Air übrigens nicht eigene Fahrzeuge ein. Vielmehr betreut sie ausgewählte lokale Fuhrunternehmer mit dieser Aufgabe. "Wir legen grossen Wert auf ein schlankes System ohne grosse Eigeninvestitionen für Lager oder Lastwagen", unterstreicht Eigenmann. "Lieber sichern wir uns solche Kapazitäten bei verlässlichen Partnern mittels langfristiger Kooperationsabkommen."
Wie aber will ASB-Air ihre Sendungen in diesem komplexen Netz kontrollieren? "Wir entwickeln unser Tracking- und Tracing-System entsprechend weiter", sagt Eigenmann. "Dieses kreiert automatisch vom System her für jede Sendung eine individuelle Transportroute mit zahlreichen Erfassungspunkten und zeitdefinierten Meilensteinen. Wenn eine Sendung von diesem vorgeplanten Pfad abweicht bzw. zeitlich verzögert ist, schlägt das System Alarm. Wir greifen dann korrigierend ein - oder informieren umgehend den Kunden, falls eine Korrektur nicht mehr möglich ist."

Vorbild all.in
Es dürfte kaum überraschen, dass Panalpina dieses eng kontrollierte System nicht aus dem Nichts schafft. In der Tat besteht ein Vorläuferprodukt, das zudem weiterhin auf der Angebotspalette figuriert, nämlich das im Frühjahr 2000 eingeführte all.in. Dabei handelt es sich um ein integriertes Haus-zu-Haus-Produkt für schwere Luftfracht zwischen Europa und den USA, dessen Preise sämtliche Nebenleistungen einschliessen. Es wird auch nach Japan, China, Brasilien und Südafrika angeboten; nach den USA kann der Kunde sogar zwischen zwei garantierten Geschwindigkeiten wählen. In allen Fällen erhält er für den gesamten Transport einen verbindlichen Preis offeriert.
Unnötig zu sagen, dass ein solches Angebot eine lückenlose Sendungsverfolgung voraussetzt, die den Vor- und Nachlauf einschliessen. Zudem müssen auch die internen Prozesse stimmen. Diese Prozesse und dieses System überträgt Panalpina jetzt auf ihr gesamtes weltweites Netzwerk. "Wir haben uns ein Ziel weit in der time-definite-Zukunft gesetzt. Unser neues Panalpina Group-Projekt kann auf dem Weg dorthin von den Erfahrungen profitieren, die wir aus der Implementierung von all.in gewonnen haben", fasst Konzernchef Bruno Sidler zusammen.

(Erschienen in Panalpina "connect" No. 1/2002)



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